Zuschauerentwicklung

Veröffentlicht am: 23. Dezember 2012

Gerne wird von Seiten der deutschen Vereinsvertreter auf die nahezu paradiesischen Zustände in der Premiere-League verwiesen. Die dortigen Umsätze (und mittlerweile auch die Schulden) erreichen Höhen, von denen deutsche Klubs nur träumen können. Dennoch befindet sich der deutsche Fußball in einer absolut komfortablen Situation. Der Vergleich der durchschnittlichen Zuschauerzahl und deren Entwicklung im europäischen Vergleich verdeutlicht diesen Umstand eindringlich, denn hier ist die Bundesliga unangefochtener Spitzenreiter – auch und wegen der sozial ausgewogenen Preispolitik der vergangenen Jahr(zehnt)e. Quelle: www.Weltfußball.de

Die deutschen Stadien sind voll und die Fans sorgen für eine Atmosphäre, die in Europa ihres Gleichen sucht. Die Entwicklung in England mag, angesichts der erwähnten, exorbitanten Dauerkartenpreise erstaunen. Der mittlerweile wieder erkennbare, leichte Abwärtstrend fällt bei weitem nicht so deutlich aus, wie man angesichts der Preise erwarten würde. Man muss aber auch berücksichtigen, dass es sich hierbei um einen Schnitt aller 380 Saisonspiele handelt. Ein Rückgang von 36.076 in der Saison 2007/2008 auf 34.151 Fans in der Saison 2009/2010 bedeute, dass insgesamt eine Masse von 731.500 Besuchern weniger verzeichnet werden konnten. Diese Zahl sollte eine eindringliche Warnung an alle Geschäftsführer der in der DFL vertretenden Vereine sein. Mag man in Deutschland auch, wie diverse Versuche gezeigt haben und weiterhin zeigen, vielleicht nie in die Spähren englischer Pay-TV Einnahmen geraten, so hat der Stadiongänger in keiner anderen Liga eine derartige „Marktmacht“ wie in Deutschland. Das verdeutlicht ein Vergleich der Einnahmen aus dem Trikotsponsoring in Europa.

Die hohen Zuschauerzahlen machen die Vereine interessant für Sponsoren und lassen sie in diesem Bereich Einnahmen erzielen, mit denen sie die anderen Ligen weit abhängen. Es muss daher im Interesse der deutschen Vereine sein, den Zuschauerschnitt und damit die Attraktivität so hoch wie möglich zu halten. Riskiert man mit einer offensiven Preispolitk eine Trendwende, sägt man am eigenen Ast. Für uns Fans bedeutet dies umgekehr, dass wir uns nicht künstlich kleinreden müssen und als zahlende Kunden durchaus das Recht und auch die Macht haben, für unsere Interessen zu kämpfen. Die Bundesliga ist – nicht nur am Spieltag – eine Symbiose zwischen Fans und Vereinen, bei der niemand auf Dauer auf den anderen verzichten kann. Wird dies auch von den Vereinen erkannt und bleibt es nicht nur bei dem oft zitierten Lippenbekenntnis vom „zwölften Mann“, so bedarf es nur einer langfristigen Sichtweise und des nötigen Durchhaltevermögens. Dann wird bald kein Geschäftsführer eines Bundesligavereins noch neidisch auf andere Ligen gucken müssen.