Kein Zwanni für nen Steher!
Der Hintergrund
Diese Aktion wird kurzfristig anlässlich der Preisgestaltung des Derbys am 19.09. durch die Gelbe Wand ins Leben gerufen. Eine Erhöhung von über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr lässt die Preise für einen Stehplatz auf 20 Euro und für Sitzplätze im Schnitt auf etwa 50 Euro steigen. Eine Preispolitik, unter der wohlgemerkt nicht nur die Gästefans zu leiden haben. Auch das Heimpublikum muss diesen Topspielzuschlag auf Tageskarten mittragen. Eine Stehplatzkarte im Derby kostete so beispielsweise im Vorjahr noch 13 Euro (ohne Vorverkaufsgebühr), das ergibt eine Steigerung von rund 54 Prozent.Wir sehen hier und anderswo einen Versuch, über Topspiele und Derbys ein signifikant höheres Preisniveau zu etablieren, das sich in Zukunft auf alle Tages- und Dauerkarten auswirken wird, weil in der Folge höhere Preise bei „normalen“ Spielen als weniger überteuert wahrgenommen werden.
Der Start
Aus den oben erwähnten Gründen werden wir einen für uns sehr drastischen Weg beschreiten und das kommende Derby bewusst boykottieren. Wir sind uns im Klaren darüber, dass es vielen Fans sehr schwer fallen wird, auf dieses Spiel zu verzichten, da es einen absoluten Saisonhöhepunkt darstellt. Wir sehen aber leider keine wirkungsvolle Alternative, um der sich immer stärker drehenden Preisspirale Einhalt zu gebieten.Die Zukunft
Die Preisentwicklung betrifft alle Fans quer durch alle Vereine. Die Schalker mussten bei Ihrem Gastspiel beim Hamburger SV für einen Sitzplatz in der Gästekurve bis zu 84 Euro bezahlen. In der Saison 2008/2009 sollten Fans von Werder Bremen gar schier unglaubliche 97 Euro für den Besuch eines von vier Derbys in Hamburg bezahlen. Fans des FC Bayern München haben fast überall das Problem, dass ihre Spiele als Topspiel eingestuft und sie dementsprechend zur Kasse gebeten werden.Die Ticketpreise
„Kein Zwanni für nen Steher“ ist als schlagkräftiger Slogan gedacht, aber es geht uns nicht nur um Stehplätze. Es geht um mehr. Durch zunehmende Versitzplatzung der Stadien liegen hier die größten Einnahmemöglichkeiten der Vereine aus dem Ticketing und diese Möglichkeiten werden teils kräftig genutzt. Auch ohne Topspielzuschläge sind dort Preise von 30 bis 40 Euro schon lange keine Seltenheit mehr und Dauerkarten haben sich mehr und mehr zu einem ernstzunehmenden finanziellen Faktor in der persönlichen Lebensplanung von Fußballfans entwickelt. Von Vereinen wird in diesem Zusammenhang oft das Wort der „moderaten Preiserhöhung“ verwendet. Wir als Fans und Kunden erleben diese Erhöhungen jedoch alles andere als moderat.Die Zuschauersituation
Die Bundesliga ist in einer Situation, wie man sie vor fünf bis zehn Jahren nicht für möglich gehalten hat. Von der ausländischen Presse wird die Liga in höchsten Tönen gelobt. Fans aus England besuchen unsere Spiele trotz der deutlich geringeren „Weltstar-Dichte“, weil sie sich in deutschen Stadien wohl fühlen und die Rahmenbedingungen loben. Der Zuschauerschnitt ist allen anderen großen Ligen weit voraus. Eine Situation, die für die DFL sowohl Chance wie auch Verpflichtung darstellen sollte – und die uns Fans auch unsere eigene Bedeutung für das System Bundesliga klar machen sollte.Die Altersstruktur
Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft, aber auf lange Sicht werden sich nur diejenigen durchsetzen, die auch langfristig denken. Umso wichtiger ist es für die Vereine, das Interesse an diesem wundervollen Sport auch dauerhaft hoch zu halten. Höhere Eintrittspreise schaden dieser Entwicklung allerdings. Kurzfristig kann die Verdrängung sozial schwächerer und nicht finanzkräftiger junger Fans und der Ersatz durch eine besser betuchte Fanklientel den Vereinen zwar Erfolg bringen. Die nachhaltigen Schäden werden jedoch erst in der Zukunft sichtbar. Junge Menschen, die sich den Stadionbesuch heute nicht mehr leisten können, werden sich zu einer anderen Freizeitgestaltung hin orientieren und den Vereinen damit langfristig verloren gehen. Eine solche Entwicklung lässt sich am Beispiel des englischen Fußballs am besten nachvollziehen.Die Ziele
Wir wollen für langfristig gesunde Preisstrukturen im deutschen Fußball kämpfen. Wir wollen ein Preisniveau, das die soziale Bedeutung des Fußballs aufrecht erhält und das Fans möglichst vieler Gesellschaftsschichten und Altersklassen einen Stadionbesuch ermöglicht. Wir wollen aufrütteln und andere Fanszenen zur Aktion aufrufen.Das ist nur gemeinsam möglich. Aber letzten Endes profitieren alle davon. Der deutsche Fußball, die angeschlossenen Vereine und natürlich auch wir Fans.