Altersstruktur

Veröffentlicht am: 23. Januar 2013

Fußball ist ein Volkssport und gerade in Deutschland auch ein Sport für alle Altersklassen. Auch wenn die Anzahl der Bolzplätze stetig sinkt: Auf den Tribünen sieht man viele Schüler und Studenten, die mit ihren Stimmen und Fahnen für die prickelnde Atmosphäre sorgen. Es ist vielleicht nicht mehr die normale Sozialisation, dass der Sohn oder die Tochter vom Papa mit ins Stadion genommen und das „Fan-Gen“ regelrecht vererbt wird, aber die Altersstruktur in Deutschlands Fanszenen ist heterogen und gesund. Stehplätze, die (leider unter immer größeren Mühen) vom Taschengeld oder durch Nebenjobs finanziert werden können, sorgen dafür, dass immer neue Fangenerationen nachwachsen. Der erneute Blick nach England zeigt andere Tribünen: Größtenteils sitzen dort Menschen ab 30 oder eher 40 Jahren aufwärts, die das Anziehen der Preisschraube noch nicht aus dem Stadion gespült hat, weil sie das nötige Kleingeld besitzen. Junges Publikum ist dagegen äußerst rar geworden. Grafik folgt demnächst. Dauerkartenpreise von über 1.000 englischen Pfund muss man sich eben leisten können, doch sie spülen viel Geld in die Kassen der Klubs. Die Probleme werden für den englischen Fußball aber kommen. Nicht heute, nicht morgen – aber vielleicht in zehn bis 15 Jahren, wenn die älteren Fans die Stadien wieder verlassen. Was dann? Dann wird man feststellen, dass eine ganze Generation nachrückender Fans fehlt. Eine Generation, die nie die Faszination eines Stadionbesuches kennengelernt habt, weil sie selbst oder ihre Eltern sich die teuren Eintrittskarten nicht leisten konnten. Und eine Generation, die ihrerseits die Liebe zum Fußball nicht an die eigenen Kinder weitergeben wird. Der Schaden wird immens sein und die Premiere-League-Klubs werden merken, dass es schwer bis gar unmöglich sein wird, diese Leidenschaft neu zu erwecken und die Tribünen mit Leben zu erfüllen. Wie gefährlich die Ticketpreisentwicklung für nachfolgende Fangenerationen schon jetzt ist, verdeutlichen folgende Grafiken: Preisentwicklung Tageskarten Stehplatz: Quelle: private Ticketsammlung Verfügbares Taschengeld Jugendliche 2010: Quelle: http://de.statista.com Natürlich besteht hier eine gewisse Unschärfe, da die Vereine verschiedene Preisnachlässe für Schüler und Studenten gewähren. Das Ergebnis ist allerdings eindeutig. Zieht man zusätzliche Kosten für Anfahrt und Verpflegung hinzu, erschöpft bereits ein Stadionbesuch das monatlich zur Verfügung stehende Geld für Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren fast komplett. Fallen sie später aus der Berechtigung zum Bezug vergünstigter Eintrittskarten heraus, bleibt die Lage fast unverändert. Anhebungen der durchschnittlichen Ticketpreise von annähernd sieben Prozent wie vor der Saison 2008/2009 wirken sich katastrophal auf diese Fanschichten aus. Aktuell kommen als zusätzliche finanzielle Belastung noch Topspielzuschläge hinzu. Wir befürchten in diesem Fahrwasser eine weitere, deutliche Anhebung des generellen Preisniveaus. Neben den jugendlichen Fans werden dann auch immer mehr Fans mit geringen Einkommen auf den Stadionbesuch verzichten müssen. Der Kampf gegen eine derartige Preispolitik in Deutschland und für erschwingliche Eintrittspreise ist auch ein Einsatz für das langfristige Überleben des Fußballs. Wir wollen, dass auch weiterhin Fans aller Altersgruppen und aller sozialen Milieus im Fußball vertreten sind. Auch um die Vereine vor einem verhängnisvollen Fehler zu bewahren: Wenn sie es nicht selbst erkennen, oder sich vom „Geschäft“ Profifußball zu einer unheilvollen Entwicklung genötigt fühlen, werden wir dafür einstehen, diese Entwicklung zu bremsen.